Mein persönliches X-PYR 2016 Abenteuer

Am 12.Juli war alles gepackt und für uns, meinem Supporter Patrick und mich, hieß es ab nach Hondarribia/ Spanien. Wir kalkulierten 1 ½ Tage für die Anreise.
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Am 13.Juli um 19:00 Uhr kamen wir nach 1890km und 18.Std Fahrtzeit etwas müde an unserem Zielort an. Wir drehten noch eine Runde im Ort, bevor wir uns einen Schlafplatz suchten. Unser Hotel konnten wir erst am nächsten Tag beziehen.

Donnerstag 14.Juli
Nach einer gemütlichen Nacht im Multivan standen wir schon motiviert auf, um den Ort kennen zu lernen. Wir checkten anschließend in unserem Hotel ein und konnten gleich das Frühstück genießen. Nach unsrem kurzen Aufenthalt in unserem Zimmer marschierten wir gleich mal an den Strand, um uns ein Bild vom Start zu machen. Anschließend checkten wir die Route zum Turnpoint 1 (Larrun).Die Strecke bis dorthin betrug etwa 25km. Ich packte meinen Gleitschirm und wir wanderten den kürzesten Weg zum Turnpoint. Nach etwa einer Stunde kamen wir dort an und mussten feststellen, dass der Wind für einen Flug zu stark war. Wir genossen die Aussicht und gingen anschließend zu Fuß wieder zu unserem Auto. Auf dem Weg dorthin trafen wir Chrigl Maurer und seine Supporter. Wir quatschten ein wenig und sprachen über den starken Wind, der uns erwarten wird. Wir fuhren danach zum Hauptquartier des Veranstalters. Nach kurzer Suche konnten wir den Veranstaltungssaal finden, wo uns gleich Renndirektor Ingo herzlich empfing. Umgehend erhielten wir das notwendige Equipment in einer Box (Bekleidung, Schuhe usw.). Auch andere Athleten waren schon vor Ort und wir konnten mit ihnen einige Gespräche führen. Den Abend liesen wir gemütlich im Hotel ausklinken.

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Freitag 15. Juli
An diesem Tag standen wir um 7.00 Uhr auf, um nach dem Frühstück ein paar Stunden am Strand verbringen zu können. Wir wunderten uns, dass keine Leute am Strand waren. Anscheinend beginnt erst um 11.00 Uhr das Leben in Spanien. Nach dem Mittagessen spazierten wir durch die Altstadt und sammelten kulturelle Eindrücke. Um 16.00 Uhr begann das Briefing. Alle Athleten waren nun eingetroffen. Die drei weiteren Teams aus Österreich waren nun auch da und wir tauschten unsere Erfahrungen aus. Jeder war schon etwas angespannt und wir freuten uns schon auf den Start am Sonntag. Patrick und ich haben uns noch einige Routen angesehen, bevor wir ins Bett gingen.
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Samstag 16. Juli
Das zweite Briefing begann um 10.00 Uhr und dauerte bis 18:00 Uhr. Routen- Check, Flugverbotszonen, Regeln usw. standen am Programm. Am späteren Nachmittag gab es noch Termine mit der Presse. Jetzt wurde es Ernst und wir führten noch die restlichen Vorbereitungen durch – Auto mit Logo bekleben, Akkus laden, Equipment prüfen usw. Nach einem gemütlichen Abendessen gingen wir schon etwas nervös ins Bett.
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Sonntag 17. Juli
An diesem Tag benötigte ich keinen Wecker. Es war mir klar, heute ist der Tag, auf den man die letzen Monate bzw. Jahre hingearbeitet hat. Wir räumten unser Zimmer und frühstückten noch ein wenig. Wir fuhren um 9.00 Uhr an den Strand, wo der Start um 11.00 Uhr geplant war. Es war noch die Ruhe vor dem Sturm. Alle 31 Athleten waren vor Ort und führten die letzten Arbeiten durch. Langsam kamen die ersten Zuseher und die Leute wünschten uns allen viel Glück und freuten sich schon auf den Start. Nur mehr wenige Minuten bis zum Start – ich schütze meine Schuhe vom Sand mit Müllsäcken, da wir doch einige Meter am Sandstrand laufen mussten. Jetzt ist es so weit, Chrigl Maurer und alle anderen Athleten wünschten jedem alles Gute und viel Spaß. Der Renndirektor zählte die letzen Sekunden bis zum Start und wir konnten es nicht mehr erwarten, endlich in die Pyrenäen losgelassen zu werden. Mit tobendem Applaus wurde der Start durchgeführt und wir liefen mit einem Lächeln durch den Ort. Leute hupten oder jubelnden einem zu. Ich lief ca. 10km, bis der erste Anstieg begann. Ich traf auf dem Weg den zweiten Österreicher Herbert Tamegger aus Kössen. Gemeinsam nahmen wir den Anstieg zum Turnpoint 1 Larun (870m) in Angriff. Nach ca. 3 ½ Stunden kamen wir am Turnpoint an. Patrick hatte inzwischen Nudeln gekocht, die ich gleich zu mir nahm. Maurer, Durogati und Mayer waren schon in der Luft. Sie hatten gute Thermik angefunden. Herbert, Martin Gruber und ich starteten gemeinsam. Ich musste gleich feststellen, dass die Thermik schwach war und nach ca. einer Stunde musste ich das erste Mal landen. Athleten, die später gestartet waren, hatten mehr Glück und konnten über mich hinweg fliegen. Ich stieg sofort den nächsten Berg hoch, um einen weiteren Flug zu machen. Nach einer halben Stunde landete ich bei einer kleinen Almhütte, wo ich zum Glück auf Wasser stieß. Bei ca. 35°C war jeder Tropfen goldeswert. Ich traf einige Athleten, die auch auf der Suche nach einem Startplatz waren. Gemeinsam stiegen wir einen Hügel hoch, um eine letzten Flug vor Sonnenuntergang zu machen. Ich hatte Glück und mein Flug brach mich an den Fuss vom …. Pass. Patrick hat eine gute Übernachtungsmöglichkeit gefunden – der Ausblick war ein Traum und wir planten unseren nächsten Tag. Zu diesem Zeitpunkt lagen wir auf Platz 21.

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Montag 18. Juli
Die Planung am Vortag machte sich bezahlt und ich konnte mit dem Fussmarsch mehrere Athleten überholen. Fliegen war an diesem Tag in unserem Gebiet durch den starken Wind nicht möglich. Darum legten alle Athleten die Strecke zum nächsten Turnpoint zu Fuß zurück. Das Thermometer stand an diesem Tag bei 38°C und der Asphalt kochte. Drei Athleten konnten am Vortag fliegend zum zum Turnpoint 2 vorstoßen und setzten sich somit schon ab. Da am Turnpoint 2 der Wind noch nicht so stark war, flogen diese Athleten an diesem Tag über 100 km. Wir hatten keine Chance, einen Flug zu absolvieren und nach ca. 60km Fußmarsch konnte ich die Nachtruhe am Fuße des Turnpoint 2 Orhi vollziehen. Ich lag nun auf Platz 10 und ich war überglücklich. In der Nacht war es stürmisch und ich konnte nur wenig schlafen. Mein Ziel war, den nächsten Tag so zu planen, dass wir den Abstand zu den Führenden verringern konnten.

Dienstag 19. Juli
Um 5:30 Uhr setzte ich meine Wanderung auf den Orhi (2003m) fort. Der Wind blies mit über 40km. Am Turnpoint angekommen war zu diesem Zeitpunkt kein Fliegen möglich. Wir warteten und weitere Athleten kamen vorbei. Einige begannen gleich wieder mit dem Abstieg. Ich war mir unschlüssig, ob der Wind vielleicht zu Mittag nachlassen würde. Patrick und ich stiegen dann auch ab – etwa 200 m unter dem Gipfel konnte ich einen Startplatz ausmachen, der einen Start zulassen konnte. Ich wartete nicht lange, legte schnell meinen Schirm aus und startete bei leichtem Westwind. Nach einigen Metern musste ich feststellen, dass der Wind noch immer um die 40km blies. Ich kämpfte mich Richtung Osten und da ich kaum vorwärts kam, hielt ich Ausschau nach einem Landeplatz. Ich landete schließlich in einem Tal, packte meine Sachen und lief zur Hauptstraße, wo ich kurz darauf auf meinen Supporter Patrick traf. Wir planten nun den besten Weg zum Turnpoint 3 – Anayet (2475m). Ich erfuhr, dass alle anderen Athleten zu Fuß ins Tal unterwegs waren. Für den Abend hatten wir eine wunderbare Übernachtungsmöglichkeit gefunden. Es gab einen Bach zum Baden, was uns natürlich sehr freute. Patrick kochte Nudeln und wir genossen den Sonnenuntergang. Zur späten Stunde kam Lars Budack zu uns und übernachtete auch an unserem Platz. Platz 9 freute uns sehr.

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Mittwoch 20. Juli
Die Regeln besagten, dass ab 5:30 Uhr wieder marschiert werden darf. Punktum begann ich mit der Wanderung. Zwei 2000er standen am Vormittag am Programm. Wiederum war an keinen Flug zu denken, zwischendurch regnete es und der Wind war zu stark. Am späteren Nachmittag waren wir kurz vor Turnpoint 4 -Peña Montañesa (2290m). Wir entschieden uns, zu Fuß auf den Wendepunkt zu gehen und auf der anderen Seite abzusteigen, bevor wir unsere Nachtruhe um 22:30 Uhr antraten. Mir war klar, dass die Zeit knapp werden würde und ein Gewitter über uns ziehen wird. Um meine Platzierung halten zu können, nahm ich den Aufstieg in Angriff. Ich kam um ca 19:00 Uhr am Turnpoint an und begann gleich mit dem Abstieg, da es wie aus Kübeln regnete. Um ca. 21.00 Uhr kam mir Patrick schon von der anderen Seite entgegen. Voll durchnässt kamen wir beim Auto auf 1400m Höhe an und ich legte mich gleich ins Bett, um mich aufzuwärmen. Patrick kochte mir eine warme Suppe, die mir wieder Kraft für den nächsten Tag gab. Ich konnte mir den 9.Platz mit dieser Wanderung halten.

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Donnerstag 21. Juli
Um 6.00 Uhr schlüpfte ich in die Laufschuhe und wir beschlossen, nach Süden zu laufen und zu Mittag einen passenden Startplatz zu finden. Nach etwa 30km begann der Aufstieg zum Puyas Lanas (2000m). Oben angekommen informierte mich Egon von zuhause, dass die ersten Athleten schon in der Luft sind. Ich wartete noch ein wenig, da noch der ganze Berg abgeschattet war. Kurz danach startete ich und ich konnte in kürzester Zeit die Basis auf 3000m erreichen. Da ich mich an der Grenze zur einer Flugverbotszone befand, musste ich darauf achten, nicht einzufliegen. Ein weiterer Pilot beachtete dies nicht und wurde kurze Zeit später disqualifiziert. Mein Flug dauerte etwa 2 Stunden mit kurzen Einlanden und Aufstieg – dies wiederholte ich drei Mal. Mein letzter Gleitflug brachte mich nach Buesa mit 40 Einwohnern. In einem kleinen Restaurant konnten wir dann am Abend ein Steak genießen. Am Ende dieses Tages lag ich auf dem 12. Rang.

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Freitag 22. Juli
Da wir vom Renndirektor ein gutes Flugwetter prophezeit bekamen, beschlossen wir etwas später aufzustehen. Im Nachhinein stellte sich heraus, dass es ein Fehler war. Wir stiegen zu einem Startplatz auf, der eigentlich keiner war. Nach ca. 1 ½ Stunden entete der Wanderweg und wir standen auf halber Höhe umgeben von Gebüsch und Latschen. Wir konnten keinen weiteren Weg finden und beschlossen, durch das ausgetrocknete Bachbett zurück ins Tal zu marschieren. Nach 3 Stunden waren wir wieder beim Auto und ich wurde von weiteren Athleten überholt. Zusätzlich begann es auch noch heftig zu regnen. Es war mir klar, dass es heute für mich keinen Flug mehr geben wird. Und ich lief wieder einmal auf der Straße 60 km, zum nächsten Turnpoint 4 – Peña Montañesa (2290m). Ich kam um 21:00 Uhr am Fuße des Peña Montañesa an und Patrick kochte uns ein leckeres Kotelett mit Reis. Meine Position im Rennen war Rang 13.

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Samstag 23. Juli
Die Rennleitung informierte uns, dass heute Abend das Rennen um 22:30 Uhr zu Ende sei. Wir hofften erneut auf Flugwetter und begannen mit dem Aufstieg zum Peña Montañesa. Wir trafen Lars Budack am Gipfel und er war über die Wetterlage nicht glücklich – der Nordwind machte uns Bedenken. Wir suchten uns einen möglichen Startplatz, da wir nicht zu Fuß ins Tal wollten. Drei weitere Athleten haben gleich in der Früh mit dem Abstieg begonnen und liefen schon wieder im Tal Richtung Turnpoint 5. Um 14:30 Uhr konnte ich eine schwache Brise nutzen und ins Tal gleiten. Dort war der Wind sehr stark und ich musste mir eine größere Landewiese suchen, um nicht in Gefahr zu kommen. Lars Budack begann mit dem Abstieg zu Fuß. Jetzt war mir klar, dass ich den 13. Platz nicht mehr verbessern konnte und ich marschierte die restliche Zeit Richtung Turnpoint 5 – Ceciré. Lars Budack lag an 14. Stelle und kam mir immer näher. Ich dachte, er gibt sich mit dem 14. Platz zufrieden – nein, er lief und lief. Ich hatte einen Vorsprung von ca 5km, der aber Stunde zu Stunde weniger wurde. Ich wusste nicht, dass Lars bis zum Schluss kämpfen würde und ich musste bis zum Schluss meinen 13. Platz verteidigen. Als es endlich 22.30 Uhr war, waren wir froh und erleichtert, dass wir den 13. Platz halten konnten. Nach Rennende setzten wir uns ins Auto und fuhren Richtung Zielgelände, wo am Sonntag die Siegerehrung vorgenommen wurde.

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Die X-PYR waren für uns ein tolles Abenteuer mit viel Spaß, aber auch sehr großen Anstrengungen. Die Pyrenäen sind großartig und ich kann diesen Gebirgszug jedem zum Wandern oder Fliegen nur empfehlen. Für mich persönlich war es bis jetzt die größte Erfahrung im Gleitflugsport und ich hoffe, dass ich dieses Abenteuer irgendwann wieder wiederholen kann.

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Danke für die Unterstützung an meine Familie, Patrick, Angie und alle, die mir die Daumen gedrückt haben.

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